StartseiteDie Jägerschaft BurgdorfHistorieJagd im "Altkreis Burgdorf

Die Jagd hat im Wandel der Zeit eine unterschiedliche Bedeutung gehabt Dies trifft auch für den Altkreis Burgdorf zu. Wir wissen, dass besonders im Raum Fuhrberg zu Zeiten der hannoverschen Könige ein großes Rotwildvorkommen vorhanden war, das durch den berühmten hannoverschen Jägerhof betreut wurde. Das ehemalige Schloss in Burgdorf - heute Sitz der Stadtverwaltung - und das Amtshaus in Bissendorf haben viele höfische Jagdgesellschaften beherbergt. Dieser einst starke Rotwildbestand ist seit langem erheblich zurückgegangen, aber wir freuen uns, dass wir heute eine für die Land- und Forstwirtschaft noch tragbare kleinere Rotwilddichte halten können. Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten hat sich diese Wildart immer neue Gebiete als Lebensraum erobert und steht jetzt sogar unmittelbar am Hannover-Kreuz der Autobahn, ohne jedoch im ganzen zugenommen zu haben. Im Süden des Kreises in dem „Großen Freien" hatten sich Sonderrechte für die bäuerliche Bevölkerung herausgebildet und erhalten. Die „freie" Jagd wurde durch Jahrhunderte gegen alle Widerstände erhalten und mit besonderem und berechtigtem Stolz ausgeübt. Auch heute wird „im Moor unter Beachtung der Jagdgesetze eine Art von „freier Jagd" ausgeübt, die in Niedersachsen einmalig sein dürfte.

Das Große Freie umfasst die Orte Ilten, Anderten, Höver, Bilm, Ahlten, Lehrte, Sende, Rethmar, Evern, Dolgen, Haimar, Harber, Klein-Lobke und Gretenberg. Das Kleine Freie sind die Orte Döhren, Wülfel und Laatzen. Letztere wurden nach dem 30jährigen Krieg dem Herzog von Braunschweig übergeben und schieden somit aus der Freien-Gemeinschaft aus.

In dem großen Waldgebiet konnte ursprünglich ein Eichhörnchen bis nach Braunschweig, ohne den Boden zu berühren, von Baum zu Baum springen. Das Große Freie wurde vom Herzog zu Lüneburg von Delle aus regiert. Als eines Tages die Spanier sein Land bedrohten, zog der Herzog ihnen entgegen und es kam zu einer blutigen Schlacht. Trotz tapferer Gegenwehr wurde sein Heer zersprengt und er erreichte nur mit knapper Not wieder seine Heimat Im Ahltener Wald kamen ihm die Bauern des Großen Freien zu Hilfe, vernichteten die Spanier bis auf einen kleinen Rest und begruben sie dort. Diese Stelle wird noch heute der „Spanische Friedhof' genannt. Aus Dankbarkeit übergab der Herzog den Bauern die bewirtschafteten Höfe zu freiem Eigentum, während die anderen Bauern seines Landes Hörige waren, die es sich gefallen lassen mussten, mit ihrem Lande verkauft oder vertauscht zu werden. Vor etwa 700 Jahren erhielten die freien Bauern eine eigene Gerichtsbarkeit und freie Jagd, außer im Gebiet der Freien auch in den Ämtern Koldingen und Ruthe, vom Moor im Norden bis Lühnde und Gödringen und von Dolgen bis an die Leine. Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde die Jagd von den einzelnen Orten verpachtet, mit Ausnahme des Ahltener Waldes, wo die dortigen Hofbesitzer noch bis 1906 die freie Jagd ausübten.

Den Freien wurde außerdem Gewerbefreiheit und das Recht zum Brauen und Brennen zugestanden. Bis auf den Königszins, der sehr gering war, waren die Freien von öffentlichen Abgaben befreit. Der Herzog stiftete den Freien ein Wappen, den springenden Löwen im roten Feld. In einer Hildesheimer Urkunde von 1236 wurden die Leute unserer Heimat als „Frigen vor dem Wolde" bezeichnet. Auf Anforderung des Herzogs hatten sie Kriegsdienst zu leisten. Ausrüstung und Verpflegung mussten sie selbst stellen. Für Wehrertüchtigung wurde außer der örtlichen Ausbildung jährlich ein Fest mit Schießen gemeinsam abgehalten, auf dem der beste Schütze den Silbervogel als Ehrung für ein Jahr im Empfang nahm.

Diese Trophäe wird noch heute alle drei Jahre durch die Schützenbruderschaft des Großen Freien ausgeschossen und wird im Rathaus in Ilten verwahrt. Uten stiftete zum Silbervogel eine wertvolle silberne Kette. Auch Dolgen besitzt einen Silbervogel aus dem Jahre 1652. Das letzte gemeinsame Schießen der Freien war im Sommer 1853 im Flakenbruche (Waldgebiet zwischen Ilten und Lehrte). Dort wurde auch die Fahne der Großen Freien zur Erinnerung an die alten Rechte und zur Hebung des Gemeinschaftsbewusstseins enthüllt. Von dem Deputierten wurde die Fahne In dessen Hause verwahrt. 1935 kam sie in das Museum in Lehrte. Dort eigneten sie sich amerikanische Soldaten 1945 an.

Heinrich Rust, Lehrte, nahm ihnen die Fahne wieder ab und behielt sie längere Zeit in treuer Obhut. Später und seitdem wird sie in einem Glasschrank im Rathaus Ilten aufbewahrt. Bei festlichen Anlässen werden Fahne und Silbervogel mit Genehmigung des Deputierten öffentlich gezeigt.

Die Akten der Freien sind im Hause des Deputierten aufbewahrt. Die älteste Urkunde ist der Vertrag und Teilungsrezess zwischen den Herzögen von Braunschweig und Lüneburg Anno 1442.

Das Gericht der Freien wurde abgehalten im Freiding Lühnde, später im Amtshof Ilten. Als am 1. Dezember 1858 das Amt Ilten aufgelöst wurde, verpachtete man es an Dr. Ferdinand Wahrendorff. Am 28. November 1872 wurde es an ihn für 13.500 Thaler verkauft. Diese wurden an die 565 freien Hofbesitzer des Großen Freien nach dem Stande vom 16. Oktober 1873 verteilt.

Wie aktenmäßig nachgewiesen ist, haben die Freien um ihre Rechte stets erbittert gekämpft und sich auch durchgesetzt. Nach dem 1. Weltkrieg sollte die freie Jagd im Altwarmbüchener Moor aufgehoben werden. Dem damaligen Deputierten Heinrich Wöhler, Ahlten, gelang es aber, so viele Moorflächen von Ahlten grundbuchamtlich nach Ilten umschreiben zu lassen, daß Ilten einen Eigenjagdbezirk im Moor erhielt. Die anderen Moorflächen der Dörfer des Großen Freien wurden diesem Jagdbezirk zugeschlagen und die freie Moorjagd blieb erhalten.

Zwischen 1950 und 1960 kaufte die Hannoversche Siedlungsgesellschaft in einzelnen Orten Moorteile auf mit dem Ziel, dort Wochenendhäuser zu erstellen. In der Herbstsitzung des Kreistages 1960 stellte Berthold Wähler, der damalige Deputierte des Großen Freien, den Antrag, das Moor unter Landschaftsschutz zu stellen. Einstimmig wurde dem Antrag stattgegeben und damit die Bebauung vereitelt.

Durch die gewaltige Zunahme des Verkehrs, besonders in den letzten Jahren, sind unsere Reviere einem Ausflügler- und Besucherstrom des Großraums ausgesetzt, der auch für die Jagd neue Probleme mit sich bringt. Wir wissen, dass der Großstädter Erholung in der Natur sucht und auch finden darf. Die Ströme von Erholungssuchenden stellen jedoch häufig ein Problem für die freie Landschaft und damit letztendlich auch für Jagd dar. Auch wenn sich die Besucher ordnungsgemäß verhalten, wird der Rhythmus des Wildes häufig gestört. Daher ist das Rotwild bei uns im Kreis zunehmend zum völligen Nachttier geworden und auch beim Rehwild erleben wir dahingehend eine Umstellung, dass es sehr häufig nur noch bei Dunkelheit die schützende Dickung verlässt.

Die Wildverluste durch den Kraftfahrzeugverkehr sind außerordentlich groß, insbesondere auch bei den Hasen. Man kann ziemlich sicher annehmen, dass die Verluste die Hälfte derjenigen Hasen ausmachen, die geschossen werden. Es ist ein erschreckender Zustand, wenn man sich errechnen muss, dass somit im Kreis Burgdorf auf allen seinen Straßen rund 1.300 Hasen und mehr jährlich totgefahren werden. Auch beim Rehwild sind die Opfer groß. Wir wissen, dass hier ebenfalls 15 bis 20 Prozent der Strecke durch Kraftfahrzeuge aller Art umkommen. Im Durchschnitt der letzten Jahre war ein Verlust von über 250 Stück/Jahr zu verzeichnen. Wenn trotzdem im Kreis Burgdorf die Strecken befriedigend sind und zum Beispiel beim Schwarzwild eine weitere Zunahme und Ausbreitung eingetreten ist, so ist dies auch den Jägern zu verdanken, die verständnisvoll nicht mehr allein in der Erlegung eines Tieres die jagdliche Erfüllung sehen, sondern die in der Hege des Wildes und der Erhaltung eines artenreichen Bestandes ihre Hauptaufgabe erkennen und die sich freuen, wenn auch der sonstige Naturfreund unser Wild in freier Wildbahn beobachten kann.

Die Niederwildstrecken schwankten durch viele nasse Sommer und andere allgemein bekannte Faktoren erheblich. Insbesondere bei den Hasenstrecken sind gebietsweise große Veränderungen zu verzeichnen. Die immer wieder auftretende Myxomatose und die neuerdings auftretende sogenannte China-Seuche bringt unseren Kaninchenbestand in einzelnen Jahren immer wieder fast zum Erliegen.
Gerade wir Jäger des Altkreises Burgdorf haben die Aufgabe im Sinne von Hermann Löns, die Augen offen zu halten für Wild und Naturschutz, denn das Kreiswappen nach dem „Werwolf mit der Wolfsangel, dem alten Zeichen der waidgerechten hannoverschen Jägerei, gibt uns eine besondere Verpflichtung auf.


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