Auf dem Gebiet der Jägerschaft Burgdorf wurden zwei Rot- und Schwarzwildringe gegründet, nämlich im Jahre 1970 der Rot- und Schwarzwildring Wietzenbruch und im Jahre 1974 der Rot- und Schwarzwildring Burgdorf-Uetze.
Über den Rot- und Schwarzwildring Wietzenbruch
Der damalige Hegeringleiter des Hegeringes Burgwedel, Hermann Bolten, und der damalige Revierleiter der Revierförsterei Kienmoor, Forstamtmann Oswald Schlutter, beide erfahrene Rotwildjäger, verfaßten seinerzeit nach Erfahrungsaustäuschen mit schon bestehenden Hegegemeinschaften in Zusammenarbeit mit dem damaligen langjährigen Kreisjägermeister des Landkreises Celle eine Denkschrift zur Ebnung der Gründungsversammlung des Ringes.
Am 19.02.1970 wurde der Rotwildring BurgwedelANinsen in Wettmar gegründet. Zunächst hatten sich 38 Reviere aller Besitzarten in einer Gesamtgröße von 24.200 ha bereitgefunden, in jenem Ring mitzuarbeiten. Die Bildung solcher Hegegemeinschaften basiert letztendlich auf einem rein privatrechtlichen Zusammenschluß in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechtes und dient dem Ziel eines gemeinsamen Abschußplanes für die Schalenwild- arten - mit Ausnahme des Schwarzwildes - innerhalb eines bestimmten Vorkommensgebietes. Hegegemeinschaften sind unter von der Unteren Jagdbehörde vorgegebenen Voraussetzungen anzuerkennen, auf welche hier nicht näher eingegangen werden soll.
Die Satzung der späteren Hegegemeinschaft "Rot- und Schwarzwildring Wietzenbruch" wurde 1974 durch die Untere Jagdbehörde des Landkreises Hannover anerkannt.
Erster Vorsitzender des Ringes bis 1989/90 war der damalige Leiter des Forstamtes Fuhrberg, Herr Oberforstmeister v. d. Wense. Dieser wurde dann abgelöst von Herrn Dipl.-Forstingenieur Paul-Heinz Hille, welcher das Amt bis zum 26.02.1998 inne hatte und in der an jenem Tage stattgefundenen Hauptversammlung wunschgemäß nach entsprechender Wahl abgelöst worden ist durch den jetzigen Leiter des Forstamtes Fuhrberg, Herrn Forstdirektor Karl-Heinz Bremus.
Für eine ordnungsgemäße Arbeit innerhalb der Hegegemeinschaft ist es unerläßlich, alljährlich eine Wildstandserhebung durchzuführen. Diese wird anläßlich der Frühjahrswildbestandserhebung durch gemeinsame Abfährtungstermine bewerkstelligt. Die Mitglieder des Ringes werden durch Satzung zur Zählung verpflichtet. Der Vorstand des Ringes bereitet die Zählaktionen jeweils vor. So ist das Wietzenbruch in sogenannte Zählkreise aufgeteilt, welche die örtlichen Einstandsgebiete und Wechselgewohnheiten des Wildes berücksichtigen. Das Zählergebnis wird aufgrund von Erfahrenswerten sodann um 10 % heraufgesetzt, da ein ständiger Unsicherheitsfaktor u. a. auch die Zuwanderung aus den nördlichen Truppenübungsplätzen ist. Mit anderen Worten, der Frühjahrswildbestand ist nicht kommentarlos Grundlage für die spätere Abschußplanung.
Im Frühjahr 1993 konnte als Abfährungsergebnis ein Rotwildbestand von ca. 480 Stück erhoben werden. Historisch läßt sich dazu sagen, daß der Rotwildbestand vor ca. 100 Jahren, also beispielsweise im Jahre 1979 nahezu gleich war. So wird aus der königlichen Oberförsterei Fuhrberg von 218 Stück im Königlichen berichtet.
Würde man die Bestände der nicht aktenkundigen Privatreviere hinzurechnen, war schon seinerzeit von einem Wildbestand von ca. 450 Stück Rotwild im Vergleich zur heutigen Bestandsfläche auszugehen. Beachtlich ist, und dies ist letztlich auch auf die aktuellen Bemühungen des Ringes zurückzuführen, daß trotz aller unruhigen Zeiten, insbesondere der vergangenen Kriege sowie aktuell rot- wildfeindliche Argumente und Taten die Bestandszahlen leicht angestiegen sind und seit Ringgründung im Ringgebiet das Ziel eines ausgeglichenen Geschlechterverhältnisses verwirklicht werden konnte.
Diese Entwicklung ist insbesondere deshalb bemerkenswert, weil im Wietzenbruch vor allem nach 1945 ein Naherholungsgebiet "Fuhrberger Wälder" für die Städte Hannover und Celle entstanden ist.
Auf Grundlage der Frühjahrswildbestandserhebung wird durch den Vorstand des Ringes sodann ein Abschußvorschlag erarbeitet und in der Jahreshauptversammlung des Ringes, die alljährlich nach Ende der Jagdzeit regelmäßig Ende Februar/Anfang März eines jeden Jahres stattfindet, zur Diskussion und Abstimmung gestellt. Der letztendlich von der Versammlung abgesegnete Abschußvorschlag wird von dem Vorstand des Ringes den jeweils beteiligten unteren Jagdbehörden bei den zuständigen Landkreisen zusammen mit einem Versammlungsprotokoll zur Genehmigung vorgelegt. Die beteiligten Forstämter reichen aufgrund des erhobenen Frühjahrswildbestandes die Zahlen ihres Abschußplanes zur Genehmigung bei der zuständigen Bezirksregierung ein.
Die Abschußüberwachung erfolgt sodann laufend einerseits durch die gesetzliche Pflicht zur Abschlußmeldung von Schalenwild an die untere Jagdbehörde, andererseits bei Erregung von Rot- und Schwarzwild durch Meldung an die Ringleitung, insbesondere bei älteren Hirschen, Schmaltieren und Keilern, da nur so die Steuerung des Gesamtabschusses im Ring möglich ist.
Durch gezielten Hegemaßnahmen wurden im Hinblick auf die Wildgewichte die Hegeziele erreicht. Die Wilddichte indessen hat seit der Gründung des Rot- und Schwarzwildringes leicht zugenommen. Rein rechnerisch werden im Wietzenbruch heute 0,5 Stück Rotwild/100 ha geschossen.
Man kann sicherlich sagen, daß die von den Gründungsmitgliedern des Rot- und Schwarzwildringes seinerzeit gesteckten Ziele im weitesten Sinne verwirklicht werden konnten, so ist insbesondere eine angemessene Wilddichte sowie ein fast ideales Geschlechterverhältnis von 1 : 3 auf 1,2 : 1 erreicht worden. Es kommen zunehmend alte Hirsche zur Stecke, nicht selten solche mit Geweihgewichten von 9 kg und mehr bei Stangenlängen von über einem Meter, wobei für das Rotwildvorkommen im Ring eher der endenärmere schwere 12 bis 14-ender mit starken Mittelsprossen typisch ist.
Hier noch ein kleiner Auszug aus einer Abhandlung von R. von Eben unter dem Titel "Eine Reitjagd bei 6 Grad Reaumur und hohem Schnee":
"Das nördlich von Hannover befindliche, von der Reitschule und dem Offizier-Jagdverein gemeinsam gepachtete Jagdgelände beherbergte auch Rotwild, allerdings nur Wechselwild. Das Revier umfaßte etwa 90.000 Morgen Wälder, Heideflächen und Wiesen zu beiden Seiten der Wietze und der Aller. Die Wiesen an der Wietze erreichten oft eine Breite von 300 bis 400 Schritt und wurden ab und zu durch Kiefernparzellen und vereinzelte, alte Eichenbestände eingeengt. .. Aus einer Dickung kommt mein erster Pikör, der Wachtmeister Prister, dicht an meine Seite. "Herr Rittmeister!" - " Ja, was ist den los?" - "Herr Rittmeister, hier ist es so schön" Hier möchte ich mal begraben sein!" - Ich lachte und dachte: Prister hat recht! Hier ist's still und friedlich, und wenn dermaleinst wieder ein Hirsch, von der Meute gefolgt, seine Flucht durch tiefen Wald nehmen würde, dann würde sich der tote Prister in seinem Grabe freuen" - Ich sah nach der Uhr, es war 3 Uhr 15 Minuten, aber unermüdlich schienen Wild, Hunde und Reiter.
Nach 10 Minuten befanden wir uns wieder im Kiefernrevier. Es wird 3 Uhr 30 Minuten und noch immer voll Jagd, bisher ohne Stopp."
Über den Rot- und Schwarzwildring Burgdorf-Uetze
Der Rot- und Schwarzwildring Uetze wurde am 14.03.1974 in Hänigsen gegründet. Aus dem Protokoll über die konstituierende Sitzung ist zu entnehmen, daß an der Gründungsversammlung 46 Revierinhaber bzw. Vertreter oder Vertreter einzelner Forstämter teilgenommen haben. Seinerzeit referierte zunächst Oberforstmeister von der Wense über Zweck und Ziel des Ringes, der sodann gegründet und zu dessen erstem Vorsitzenden der damalige Kreisjägermeister Walter Littek gewählt worden ist. Die Fläche des Ringes umfaßte seinerzeit etwa 28.000 ha. Die heutigen Grenzen des Ringgebietes verlaufen etwa wie folgt:
Im Westen die Bundesstraße 3, im Süden die Bundesautobahn 2, im Osten die Kreisgrenze des Landkreises Hannover und im Nord die Bundesstraßen 214. Weit über 90 % der in diesem Gebiet liegenden Privatreviere sind dem Ring zwischenzeitlich beigetreten, außerdem alle in diesem Gebiet liegenden Staatsforstreviere.
Die mit dem freiwilligen Zusammenschluß notwendige Kooperation, so berichtet der heutige Vorsitzende des Rot- und Schwarzwildringes Burgdorf-Uetze, Herr Dr. med. Cornelsen, war immer sehr gut, wodurch die Hegeziele auch regelmäßig erreicht werden konnten. Es konnten kapitale Hirsche erlegt werden, der letzte im Jahr 1996. Aus unterschiedlichen Gründen ist in einigen Gebietsteilen des Ringes, so beispielsweise im sogenannten Beerbusch und in den Revieren um den Beerbusch und der Revierförsterei Burgdorfer Holz das Rotwildvorkommen stark rückläufig. Im Hinblick auf das Schwarzwild wurde nach selbsterarbeiteten Richtlinien in Anlehnung an das sogenannte Lüneburger Modell gejagt. Dabei wurden jährlich optimale Abschüsse erzielt, und zwar mit einem Abschußanteil von Frischlingen in Höhe von 70 % und mehr. Derzeit wird von einer gesunden Altersstruktur beim Schwarzwild und demgemäß einem gesunden Bestand berichtet.
Die Hegeziele des Rot- und Schwarzwildringes BurgdorfUetze und die sich daraus ergebenden Maßnahmen sind im großen und ganzen identisch mit denen des Rot- und Schwarzwildringes Wietzenbruch. Dies mag seine Ursache auch darin haben, daß vor Beschlußfassung über die Satzung des Ringes Burgdorf-Uetze die damals bereits vorliegende Satzung des Rotwildringes Wietzenbruch im Hinblick auf die besonderen Verhältnisse des Rot- und Schwarzwildringes Burgdorf-Uetze überarbeitet und entsprechend angepaßt werden sollte.
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