StartseiteFalknerFalknerei, die Kunst mit Vögeln zu jagen

Wer hat nicht schon einmal den Flug eines Greifvogels über einer freien Fläche oder am Waldrand beobachtet und war nicht von den geschickten und rasanten Flugkünsten begeistert?

So muss es den asiatischen Reitervölkern auch gegangen sein, von ihnen stammen die ersten nachweisbaren Berichte über die Jagd mit Greifvögeln. Sie haben die stolzen Vögel gefangen, gezähmt und dann aus ihnen gute Jagdgefährten gemacht. Diese Berichte über indische Falknerei stammen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Es wird jedoch angenommen, dass diese Art zu jagen noch viel älter ist. Die Greifvögel wurden in China und Ägypten schon 5.000 v. Chr. verehrt und gehalten.

In Europa gibt es die ältesten Belege aus dem späten 4. Jahrhundert über die Kelten. In der gesamten folgenden Geschichte wird die Beizjagd dann immer wieder als Vergnügung erwähnt. Besonders beim Adel und Klerus war diese Jagdart sehr beliebt, da es mehr um die Freude an den Vögeln und der Jagdart ging, als um die Beute. Ganz besonders hat sich Friedrich der II. von Hohenstaufen mit der Falknerei beschäftigt, er hat ein Buch geschrieben, „Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“, das noch heute seine Gültigkeit hat. Er beschrieb nicht nur die Jagd, sondern auch die Haltung und die Behandlung der Vögel.
Daran kann man sehen, dass sich in den Jahrhunderten sehr wenig an der Tradition und Art dieser Jagd verändert hat.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ging die Ausübung der Beizjagd immer weiter zurück, da die Konkurrenz der immer bes-ser werdenden Flinten größer wurde. Nach 1840 lebte die Tradition der Falknerei in den Niederlanden und Deutschland langsam wieder auf. 1923 gründete Renz Waller mit Freunden den Deutschen Falkenorden, der besonders den Greifvogelschutz in das Bewusstsein der Jäger und Nichtjäger brachte. Seit 1977 ist neben dem Jagdschein auch das erfolgreiche Ablegen einer Falknerprüfung die Voraussetzung zur Haltung und der Jagd mit Greifvögeln.

Zur Falknerei sind nicht alle Greifvögel geeignet, nur die lebende Tiere jagenden Vögel werden heute für die Beizjagd eingesetzt. Neben den Adlern, Habichten, Harris Hawks werden besonders die Falken abgetragen. Die Greifvögel werden in zwei Gruppen aufgeteilt, es gibt die Grifftöter, sie töten ihre Beute mit den Fängen. Zu ihnen gehören die Adler und die Habichte. Die Falken dagegen töten ihre Beute mit einem gezielten Biß in den Nacken, ihre Hände halten die Beute nur fest, sie sind Bißtöter.
Schauen wir uns einmal an, wie ein Habicht zur Jagd abgetragen wird. Heute werden die Vögel nicht mehr der Natur entnommen, sondern ausschliesslich aus Zuchten genommen. Wir bekommen den Vogel als Nestling, d. h. er ist kurz davor flugfähig zu werden. Ganz vorsichtig wird das junge Tier an den Falkner und an die Hände gewöhnt, dann wird ihm das Geschüh (die Lederbänder um die Füße) angelegt, damit er sich daran gewöhnen kann.

Wenn sich das Gefieder voll entwickelt hat, muss das Jungtier fliegen lernen, zuerst nur kurze Strecken, von seinem Sitz zur Faust, auf der immer etwas Atzung (Futter) auf ihn wartet. Die Entfernung wird immer größer. Noch hat er ein dünnes Band am Geschüh befestigt, damit er nicht einfach davon fliegt. Wenn der Habicht dann fliegen kann, wird es Zeit ihn für eine gute Kondition in den Freiflug zustellen (ihn frei fliegen zu lassen) und ihm das Jagen beizubringen. Man bindet etwas Atzung auf ein Lederstück, das Federspiel genannt wird, und schwingt es durch die Luft. Der Habicht versucht dann es zu greifen, was auch die Flugwendigkeit schult. Später muss er auch die Haken eines Kaninchens oder Hasens ausgleichen können.

Nach viel Geduld und Zeit ist dann der Augenblick da, an dem es das erste mal auf die Jagd geht, nun muss es sich zeigen, ob der Falkner und der Habicht gut gearbeitet haben. Es wird seine Zeit brauchen, bis aus dem noch ungeübten Vogel ein erfahrener und rasanter Jäger wird. Wenn der Habicht während der Ausbildung an den Lärm, den Verkehr und die Gesellschaft der Menschen gewöhnt wurde, ist er sogar in der Stadt einsetzbar, z. B. bei der Kaninchenjagd auf Friedhöfen. Der Habicht ist ein Sichtjäger auf kurze Strecken, wenn
der mitgeführte Hund das Kaninchen aufstöbert beginnt sein Jagdflug von einem hohen Platz aus, oder von der Hand des Falkners. Er stürzt sich von der Faust und jagt in rasantem Flug auf das Kaninchen zu. Es ist faszinierend zu sehen, wie der Habicht auf das Hakenschlagen seiner Beute reagiert, er kippt über die Flügel ab und versucht so die Finte seiner Beute auszuarbeiten. Er schlägt dann seine Fänge in das Genick der Beute und die langen Klauen durchschneiden das Rückenmark des Tieres, er ist ein Grifftöter. Aber das klappt nicht immer, und dann hat der Habicht statt des ersehnten Kaninchens nur einen Grasbüschel in den Fängen und muss auf eine neue Chance warten. Der Falkner wird das Beutetier, wenn es sein Leben gerettet hat, für diesen Tag nach alter Tradition auch nicht noch einmal aufstöbern. Je länger der Anflug, desto schöner der Flug und die Freude des Zuschauers und Falkners. Sind der Habicht, der Hund und der Falkner ein gut eingespieltes Team, gehen die drei miteinander spazieren. Der Habicht fliegt frei während der Falkner mit seinem Hund „spazieren“ geht und das aufgestöberte Wild wird dann nach ganz freier Entscheidung des Habichts bejagt, der Jäger spricht hier von der freien Folge.
Auch ein Falke wird auf gleiche Weise abgetragen, doch ist er mehr ein Vogeljäger und das bedeutet, dass er weitaus wendiger und schneller fliegen können muß. Er schraubt sich gern in den Himmel und wartet dort auf seine Beute. Hat der Hund oder Falkner einen Fasanen oder ein Rebhuhn hochgebracht, kippt der Falke aus der Höhe ab, beschleunigt mit einigen kurzen und harten Flügelschlägen seinen Sturz (bis zu 320 km/h), dann klappt er die Flügel zusammen und stürzt in Tropfenform mit atemberaubender Geschwindigkeit auf die aufgeflogene Beute zu. Dann sieht man nur noch eine Federwolke und der Vogel fällt betäubt auf den Boden während der Falke jäh nach oben schnellt und sich dann wiederum auf den betäubten Vogel stürzt. Bis der Falkner bei dem Falken ist, hat dieser den erbeuteten Vogel durch einen gezielten Genickbiss getötet. Der Falke wird von der Beute auf die Faust genommen und verhaupt, er würde zu unruhig auf der Hand stehen, wenn er sehen könnte. Er sieht auf große Entfernungen noch eine Maus und damit viele Bewegungen in der Ferne, die das menschliche Auge nicht wahrnehmen kann.

Dann geht die Jagd von vorne los. Es gibt kaum etwas Faszinierenderes als diesen edlen Vögeln bei der Jagd zu zuschauen und ich wünsche jedem dies einmal zu beobachten.

Irmingard Ortlepp, Wedemark
(Der Burgdorfer Jäger 2002)


Druckbare Version

DownloadsImpressum