Dieses Jahr widmet sich mein Artikel der finanziellen Seite der Hundehaltung. Es muss natürlich klar sein, dass dieses Kapitel eine Mentalitätsfrage ist. Auch was die Fixkosten angeht, und eine Glücksfrage, wie die eigene Gesundheit, was die Tierarztkosten betrifft. Trotzdem hier einige Eckdaten für die folgenden Unterpunkte.
Nachfolgende Werte, soweit gewichtsabhängig, gelten für einen erwachsenen Hund von 20 kg.
Anschaffung: Welchen Weg gehe ich? Ein Rassehund mit Papieren aus „kontrolliertem Anbau“ für bis zu 2.000,- € oder das gute Werk aus dem Tierheim für eine Schutzgebühr. Beides hat Vorteile, bei dem Rassehund weiß ich eher, was ich bekomme; Ahnennachweis nicht nur Rasse, sondern auch Gesundheit der Eltern betreffend, Verwendungszweck und Leistungsnachweise insbesondere bei Jagdhunden. Auf der anderen Seite die Robustheit des Mischlings (der sog. Bastardisierungseffekt), dadurch, dass bei Paarungen aus sehr unterschiedlichen Genpools krankmachende Gene sich nicht so leicht bemerkbar machen.
Nachdem der Hund da ist, muss er ja auch irgendwo „wohnen“. Ob das in einem ausrangierten Sessel oder einem Speziallager für 200,- € ist, macht dem Hund genauso wenig aus wie der Unterschied zwischen geflochtener Lederleine samt Halsband mit Edelsteineinlage oder einem Kälberführstrick, es ist eine Sache des Geschmacks und, wie man oft feststellen kann, auch des Prestiges.
Futter: Die Kosten für die Fütterung sind sehr variabel. Generell ist nicht der Preis für einen Sack Futter oder eine Dose interessant, sondern die Kosten pro Hund und Tag. In der Wachstumsphase sind die Werte für Futter höher, im Alter niedriger.Sie reichen von 30 ct für Trockenfutter minderer Qualität über 50 bis 60 ct für gutes Trockenfutter, 2,50 € für gutes Dosenfutter bis zu unbegrenzt bei selbst gekochtem oder zubereitetem Fressen. Im Prinzip kann ein Hund trocken oder mit Feuchtfutter ernährt werden, aber Dosen müssen bei selber Qualität der Inhaltsstoffe immer etwa dreimal so teuer sein wie ein Trockenfutter, weil man in der Dose 70 bis 80 % Wasser bezahlt (im Vergleich zu etwa 8 % bei Trockennahrung), die Dose die teuerste Verpackung darstellt und eine Hitzesterilisation mit finanziert werden muss, wohingegen Trockenfutter durch die Trocknung konserviert wird. Bei guten Markenherstellern ist die Rationszusammenstellung auf die jeweilige Größen- und Altersstufe des Hundes abgestimmt und von den jeweiligen Werten für Protein-, Fett- oder Vitamingehalt in jedem Falle ausreichend. Bei selbst zusammengesetzter Ration muß man sich darüber besonders in der Wachstums- und Altersphase des Hundes schon Gedanken machen. Der Aufwand an Zeit und Geld für eine ausgewogene selbst zubereitete Ration ist immer höher als bei kommerzieller Dosenkost. Eine Ausnahme hiervon ist der Hund, der mit Essensresten der Besitzer ernährt wird. Dieses ist aber sicherlich keine für den Hund vorteilhafte Lösung, zum einen wegen der Gewürze, zum anderen wegen der Inhaltsstoffe der menschlichen Ration. Es gilt: Gutes Futter ist mit die wichtigste Gesundheitsvorsorge bei jedem Hund und kommerziell angebotenes Futter ist Vertrauenssache.
Steuern (Burgdorf): Zur Zeit 66,- € pro Ersthund und Jahr.
Erziehung: Schon bei Wilhelm Busch ist nachzulesen, dass mangelnde Erziehung für Hunde gefährlich werden kann und nicht erst jetzt, in der gerade wieder abflauenden Kampfhundedebatte, muss so gut wie möglich sichergestellt sein, dass ein Hund kein anderes Lebewesen oder sich selbst verletzt oder anderweitig negativ beeinträchtigt. Das kann man natürlich selbst in die Hand nehmen, gerade bei Neulingen unter den Hundehaltern reicht aber oft nicht nur ein gutes Buch, sondern qualifizierte Hilfe ist erforderlich. Diese kann in Kursen zu mehreren oder auch in Einzeltrainingsstunden gefunden werden, was sich finanziell natürlich niederschlägt, generell aber um so preiswerter ist, je früher man anfängt.
Hygienemaßnahmen: Ein Besuch beim Hundefriseur ist je nach Rasse und persönlicher Fingerfertigkeit alle sechs Wochen, halbes Jahr oder auch niemals nötig und schlägt je nach Behandlung mit etwa 10,- bis 50,- € zu Buche.
Wurmkuren, viertel- bis halbjährlich um 10,- €, Floh- und Zeckenkontrolle je nach Spaziergewohnheiten und Anfälligkeit in der „Saison“ etwa 5,- € alle 4 bis 6 Wochen.
Haftpflichtversicherung: Eine Haftpflichtversicherung sollte meiner Meinung nach für alle Hunde- und Pferdehalter Pflicht und Haltungsvoraussetzung werden, wie für das Führen eines Kraftfahrzeuges. Auch der liebste besterzogene Hund kann einen Unfall verursachen, der in einer lebenslangen Rentenzahlung für den Halter endet und bei dessen Insolvenz hat der Geschädigte dann neben der persönlichen Beeinträchtigung auch das finanzielle Nachsehen.
Der Versicherungsschutz kostet um die 70,- € pro Jahr, wobei es zweckmäßig sein kann, auf die Deckung von „Mietschäden“ (d. h. solche in einer Mietwohnung) zu achten.
Tierarzt: Ein Teil der Tierarztkosten ist unter Hygiene bereits erwähnt, dazu kommen noch Impfungen (je nach Sicherheitsbedürfnis des Halters und Infektionsdruck des Hundes zwischen 25,- und 90,- € pro Jahr, zu Anfang bei der Grundimmunisierung etwas mehr) und der Rest ist etwas Glückssache.
Welpen haben häufig ein paar Kinderkrankheiten, dann folgt in der Regel der „reparaturarme“ Teil der Jugend und des Mittelalters und dann ist es wieder eine Einstellungsfrage des Halters, ob er bei einsetzenden Altersbeschwerden wie z. B. Gelenk-, Zahn- oder Herzproblemen die Segnungen der modernen Tiermedizin in Anspruch nehmen will, mit der Aussicht, die Lebensqualität deutlich länger gut zu erhalten, oder sagt: Nein das ist ein Tier und kein Mensch, Arzt gibt´s nicht. Das spart kurzfristig Geld., aber zu Lasten des Hundes.
Quelle: Dr. Peter Müsse, Der Burgdorfer Jäger, 2004
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