StartseiteJagdhundewesenEktoparasiten bei Hunden

Nach den Würmern, soll sich dieser Artikel mit Parasiten befassen, die sich außen auf den Hunden tummeln. Flöhe und Zecken sind hier mit großem Abstand die wichtigsten Vertreter.

Der Floh lebt in weiten Teilen seines Daseins nicht auf dem Wirtstier (z. B. Hund), nämlich als Ei, Larve und Puppe. Diese Stadien halten sich in der Umgebung der Hunde auf. Die Larven leben vom sogenannten Flohkot, kleinen Bröckchen getrockneten Blutes. Je nachdem, wie viel dieser Nahrung sie finden und wie warm es ist, kann sich die Entwicklung vom Ei zum fertigen Floh von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten hinziehen. Die Larven können sogar in eine Entwicklungspause verfallen, aus der sie erst erwachen, wenn sie in ihrer Umgebung Leben, das heißt Nahrung, wahrnehmen, nämlich durch die Erschütterungen des Bodens durch die Wirtstiere. Das bedingt die Notwendigkeit, alle Behandlungen gegen Flöhe über einige Monate durchzuführen. Wirksame Flohmittel töten zwar innerhalb weniger Stunden alle Parasiten auf dem Hund ab, aber gegen die Plage aus der Umgebung können sie nichts ausrichten, als in Warteposition zu stehen. Das reicht in den meisten Fällen auch aus. Wenn nämlich ein neu herangewachsener Floh dann auf den Hund aufspringt, bekommt er seine Ladung Flohmittel ab und scheidet dahin.

Die Gefahr, der häufig die Tierbesitzer erliegen, ist aber folgende: Es wird behandelt, die gängigen Ampullen mit Antiparasitika wirken vier Wochen, danach sieht der Besitzer keine Flöhe mehr und denkt sich, es sei ausgestanden. Die Behandlung wird unterbrochen, ein paar Flöhe rücken aus der Umgebung nach und werden erst bemerkt, wenn sie sich schon wieder massiv vermehrt haben. Nur die lückenlose Behandlung führt hier zum Erfolg und zu einer flohfreien Wohnung.

An Desinfektionsmaßnahmen in der Umgebung der Tiere sind das Waschen der Hundedecken und Staub saugen zwar sinnvoll, doch von der Wirksamkeit her begrenzt. Selbst Einnebeln der Wohnung mit einem Insektizid ist nur für Flöhe und Larven tödlich, die an Oberflächen sitzen. Bewohner von Sofaritzen, Dielenspalten und Fußleistenunterseiten bleiben verschont. Deshalb ist der Hund als lebender Flohfänger nicht zu ersetzen und statt viel Geld und Mühe für Umweltchemie aufzuwenden, sollte lieber die lückenlose ausreichend lange Flohkontrolle am Tier durchgeführt werden.

Die dafür zur Verfügung stehenden Präparate sind gut verträglich, sicher und anwenderfreundlich. Wenn eine Überempfindlichkeit des Hundes auf ein Produkt bestehen sollte, weiß Ihr Tierarzt sicher eine Ausweichmöglichkeit.

Im allgemeinen ist Ampullenformulierungen der Vorzug zu geben, die alle vier Wochen aufgetropft werden, dann gibt es noch Sprays, wobei aber auf Wirksamkeit und Langzeitwirkung zu achten ist.

Ungezieferbäder und -puder sind ebenfalls gut wirksam, haben aber keinerlei Depoteffekt und sind daher nur begrenzt sinnvoll, etwa ein Bad bei massivstem Befall als Anfangsbehandlung. Entwicklungshemmer der Flöhe, bei denen die Fortpflanzung der Parasiten unterbunden wird, tun zwar das, was sie sagen, lassen aber den erwachsenen Floh sein Leben in Ruhe zu Ende leben, sind als Akuthilfe und für Flohallergiker daher sinnlos.

Im Preis-Leistungs-Vergleich schneiden Präparate, die Flöhe gleich töten, damit wesentlich besser ab. Flohhalsbänder, früher das Mittel der Wahl, sind je nach Fabrikat teilweise unwirksam und haben andere gravierende Nachteile. Zum einen sind sie immer als Halsband am Hund, also lästig, teilweise die Haut irritierend. Dort wo sie angebracht sind, ist über Kopf / Hals die „Haupt-Streichelstelle”, das heißt jedes Mal, wenn der Hund liebkost wird, hat man das Antiparasitikum an den Händen. Insbesondere in Familien mit Kindern ein Problem.
Die am besten wirksamen Bänder riechen häufig sehr unangenehm chemisch für den Menschen – noch viel mehr aber für das Nasentier Hund – eine ständige Belästigung. Außerdem tritt bei vielen Bändern beim Nasswerden ein Wirkstoffverlust auf und das Band spiegelt dann eine falsche Sicherheit vor.

Die Schadwirkung der Flöhe liegt neben den Stichwunden mit einer kleinen Entzündungsreaktion zum ersten in ihrem starken allergenen Potential. Bei einem großen Teil der Hunde ruft nämlich der Flohspeichel, der in die Wunde injiziert wird, eine allergische Reaktion hervor, die sich bei wiederkehrendem Befall im Laufe des Hundelebens meist verstärkt. Durch den extremen Juckreiz dieser Allergie schädigt sich der Hund durch Lecken und Kratzen selbst, ein Flohekzem mit Entzündung aller Hautschichten ist die Folge, welches für den Hund sehr schmerzhaft und dessen Beseitigung für den Halter sehr mühevoll und teuer ist. Zum zweiten ist der Floh Überträger eines häufigen Hundebandwurms. Ein Flohbefall zieht also immer eine Bandwurmbehandlung nach sich.
Ein weiterer Parasit, die Zecke, kommt nur in der wärmeren Jahreszeit vor. Ein Erregerreservoir in der Wohnung wie beim Floh ist nicht zu befürchten. Zecken haben zwei Hauptaktivitätsphasen im Jahr, Frühjahr und Herbst. Trockene Hitze im Sommer ist für Zecken ungünstig. Zecken sind im Vergleich zu Flöhen viel einfacher gebaute Lebewesen und von daher schwerer mit Antiparasitika abzutöten.

Daraus folgt, dass alle Anwendungen, die Zecken abtöten, Flöhen sowieso den Garaus machen nur nicht umgekehrt. Aus den schon genannten Gründen ist auch bei ihrer Bekämpfung den Spoton Präparaten und Sprays der Vorzug vor Halsbändern und Bädern zu geben.

Die Schadwirkung der Zecken liegt neben dem eigentlichen Stich mit Rötung und Schwellung, die in der Regel um die Stichstelle begrenzt sind, in der Gefahr der Übertragung der Borreliose. Die hiesigen Zecken sind zwischen 20 % und 80 % mit Borrelien behaftet, das Risiko, sich mit dem Erreger auseinandersetzen zu müssen, ist bei einem Zeckenbiss also recht hoch. Einmal ausgebrochene Borreliose ist schwierig wieder zu tilgen.

Eine Impfung verleiht zwar Schutz, aber dem Infektionsrisiko durch Zeckenprophylaxe vorzubeugen macht wesentlich mehr Sinn. Eine Impfung sollte immer ein zusätzlicher und nicht der einzige Schutz sein. Die Erreger der viralen Hirnhautentzündung, die auch von Zecken übertragen wird, sind hier in Norddeutschland nicht das Problem.

Als weitere Parasiten sind dem Hundebesitzer Milben bekannt. Zum einen von den verschiedenen Hauträudeformen, zum an- deren als Verursacher hartnäckiger Ohrenentzündungen. Da der Tierbesitzer bei diesen Erkrankungen nicht selbst die Diagnose stellen kann, sollte zum Nachweis stets der Tierarzt aufgesucht werden. Deshalb wird an dieser Stelle nicht weiter darauf eingegangen.

Insgesamt bleibt zu bemerken, dass die modernen Mittel zur Parasitenkontrolle den Hundebesitzern derart effektive und einfach anzuwendende Möglichkeiten geben, einen Floh- und Zeckenbefall zu verhindern, dass es für mich als Tierarzt schwer verständlich ist, dass speziell in der warmen Jahreszeit täglich Patienten mit schweren Erkrankungen aufgrund von Ektoparasiten zu behandeln sind.

Dr. Peter Müsse, Burgdorf
(Der Burgdorfer Jäger, 2003)


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