StartseiteJungjägerausbildungJungjägerausbildung und Jägerprüfung

Die Jägerprüfung für Jungjäger in Niedersachsen besteht aus vier Teilen:

1. Jagdliches Schießen. Mit fünf Kugelschüssen auf eine Bockscheibe in 100 Meter Entfernung müssen mindestens 25 von 50 Ringen erreicht werden. Beim Schrotschießen sind mindestens fünf von 15 Wurfscheiben oder neun von 15 Kipphasen zu treffen.

2. Schriftliche Prüfung unter Aufsicht. Jeweils 20 Fragen aus 5 Ausbildungs-/ Prüfungsfächern müssen mit eigenen Formulierungen beantwortet werden:
• Dem Jagdrecht unterliegende und andere freilebende Tiere.
• Jagdwaffen und Fanggeräte.
• Naturschutz, Hege und Jagdbetrieb.
• Behandlung des erlegten Wildes, Wildkrankheiten, Jagdhundewesen, jagdliches Brauchtum.
• Jagdrecht und verwandtes Recht.

Für jeden Fragenblock stehen 50 Minuten zur Verfügung.

3. Praktische Prüfung im Revier mit Aufgabenstellungen aus den genannten Fächern.

4. Mündliche Prüfung von 10 Minuten pro Fach und Prüfling.

Wer die Anforderungen im Jagdlichen Schießen auch nach einmaliger Wiederholung nicht erfüllt, hat die Jägerprüfung nicht bestanden. Er oder sie wird dann zu den weiteren drei Prüfungsteilen nicht mehr zugelassen. Die Bewertung in der praktischen Prüfung und die Durchschnittsnoten von schriftlicher und mündlicher Prüfung insgesamt sowie in den ersten beiden Fächern dürfen nicht schlechter als „ausreichend” sein um zu bestehen. Beim Schießen und in der Revierprüfung führen auch Sicherheitsfehler beim Hantieren mit Waffen und bei letzterer zusätzlich das Nichterkennen sicherheitsrelevanter Jagdsignale zum Nichtbestehen der Jägerprüfung.

In Niedersachsen und vier weiteren Bundesländern gibt es keine Vorschriften zu einer vorherigen Ausbildung und zu den Ausbildern. In den übrigen elf werden konkrete Anforderungen gestellt. In der Praxis entspricht die von den niedersächsischen Jägerschaften oder auch von einigen „Jagdschulen“ angebotene Ausbildung und Prüfungsvorbereitung aber den offiziellen Standards der anderen. So dauert beispielsweise die von der Jägerschaft Burgdorf durchgeführte Vorbereitung, zählt man alle Veranstaltungen zusammen, ca. 180 Zeitstunden. Ohne organisierte Ausbildung ist die Prüfung praktisch nicht zu schaffen. Dafür ist das inzwischen notwendige Wissen und Können zu umfangreich.

Manch Jungjägeranwärter und -anwärterin, aber auch manch alter Nimrod hält die heutige Ausbildung und Prüfung für überfrachtet. Ziel müsse sein, Jäger auszubilden und nicht Naturpark-Ranger, Landschaftsökologen, Wildbiologen, Insektenforscher, Optiker, Büchsenmacher und Juristen. Worum geht es tatsächlich? In der Jungjäger-Ausbildung sollen und müssen die Grundkenntnisse und Grund-
fertigkeiten angeeignet und gefestigt und die Orientierungen entwickelt werden, die für die ersten Schritte zu einer eigenständigen Jagdpraxis heute erforderlich sind. Zugleich können hilfreiche Techniken für das notwendige Weiterlernen erworben werden, das ein ganzes Jägerleben nicht auf hören wird.

Die Jägerprüfung ist nicht einfach. Das soll sie angesichts der Berechtigungen, die sie ermöglicht, auch gar nicht sein. Bei ernsthafter, kontinuierlicher und systematischer Anstrengung ist sie aber zu schaffen – von jüngeren wie von älteren jagdlich Interessierten.

Dazu einige Empfehlungen: Unser Lernen ist eine innere, psychische Tätigkeit, die mit unserer äußeren praktischen Tätigkeit eng verbunden ist. Sie dient dem Aufbau und der Festigung, der Erweiterung und Ausdifferenzierung von Gedächtnisstrukturen, die das reale Handeln orientieren und regulieren. Das Lernen ist Voraussetzung, Bestandteil und Ergebnis des auf Weltaneignung und Realitätskontrolle gerichteten Handelns. Es ist ein aktives, persönlich bedeutsames und hochgradig methodenabhängiges Verhalten. Erwachsenenbildner bringen dies zum Ausdruck, wenn sie sagen: Nicht der lernt am meisten, der einem Referat zuhört, sondern der, der es selbst erarbeitet und hält. Oder: Wirklich begriffen hat jemand etwas erst dann, wenn er bzw. sie es anderen auch erklären kann.

In den Jungjägerkursen dominieren traditionell der Ausbilder(innen)vortrag, das Unterrichtsgespräch nach dem Frage-Antwort-Prinzip und die praktische Demonstration, das Vormachen- und Nachmachen-Lassen. Diese Methoden haben ihre Berechtigung und sind zum Teil schon aus zeitpraktischen Gründen unverzichtbar. Gleichwohl müssen Eigenbeiträge und -leistungen der Lernenden und themenzentrierte, vor- und nachbereitete Diskussionen einen möglichst großen Stellenwert einnehmen. Vor allem in der eigenen Lernarbeit der Kursteilnehmer und -teilnehmerinnen muss der Aktivitätsforderung umfassend Rechnung getragen werden.

Texte: nicht einfach überlesen oder überfliegen. Am meisten bleibt hängen, wenn sie exzerpiert, also die wesentlichen Informationen und Aussagen in Kurzfassung aufgeschrieben werden. Hilfreich ist auch, sie für sich selbst in halblauter Sprache wiederzugeben. Bloß gedanklich, in innerer Sprache fordert zu wenig; zu laut lenkt ab. Ebenso wie andere Studien und praktische Übungen kann und sollte die Textarbeit auch in kleinen Lerngruppen (zwei bis vier Personen) durchgeführt werden. Abwechselnd arbeitet jeder kurze Referate aus und trägt sie den anderen vor. Im gemeinsamen Gespräch ist durch Fragen und Antworten, Korrekturen und Ergänzungen eine Präzisierung, Vertiefung und Festigung des Stoffs leichter zu erreichen als in Einzelarbeit.

Wer dieses unbedingt will, sollte neben dem offiziellen Lehrwerk höchstens ein weiteres benutzen; empfehlenswert sind ein Buch mit Fragen, dazugehörigen Antworten und beispielhaftem Bildmaterial zu den Prüfungsthemen, verschiedene Bestimmungsbücher (Flora, Fauna, Tierspuren etc.) und die regelmäßige Lektüre einer Jagdzeitung. Manchmal ist es sinnvoll themenorientiert einzelne Exemplare anderer Jagdzeitungen zu erwerben. In den meisten finden sich Prüfungsfragen. Vorsicht vor zu viel multiple choice! Ankreuzen fördert die Lernleistung weniger als selbstformulierte Antworten; daher erst für sich formulieren und dann schauen, was passt. Wenn regelmäßig 85 % und mehr richtig beantwortet werden, ist dies ein gutes Zeichen.

Vorträge: nicht bloß hinhören, sondern aktiv zuhören durch eigenes Vor- und Nacharbeiten. Wenn mit eigenen Vorkenntnissen, Merkpunkten und Fragen, also interessiert zugehört wird, bleibt mehr haften.

Anschauungsmaterial, praktische Studien: Videos, CDs, Tonbänder gibt es inzwischen zu allen interessieren den Bereichen und Einzelfragen. Insbesondere in den Dritten Fernsehprogrammen werden häufig lehrreiche Kurzfilme gezeigt. Mitunter ist die Beschäftigung mit einer modellhaften Abbildung der Realität oder ihrer beispielhaften Darstellung besser als gar kein audiovisueller und zugreifender Kontakt mit den interessierenden Objekten, mitunter ist sie auch lernökonomischer, weil weniger Einzelheiten ablenken. Für aktives Sehen gilt dabei prinzipiell das Gleiche wie für aktives Lesen und Zuhören.

Beim Besuch von Ausstellungen (geführten und ungeführten) sollten ebenso Bestimmungsbücher dabei sein wie bei Gängen und praktischen Erkundungen in Feld und Wald. Ein Tipp: Fotografische Notizen anfertigen und zuhause zuordnen.

Gelegenheiten als Treiber bei Jagden mitzugehen, erlegtes Wild zu versorgen und andere jagdpraktische Erfahrungen zu sammeln sollten unbedingt genutzt werden. Durch die Teilnahme am Jagdbetrieb lässt sich eine Menge über die Objekte der Jagd, über Jagdabläufe und nicht zuletzt die sozialen Dimensionen des Jagdgeschehens (z. B. verbindliche Absprachen, arbeitsteiliges Zusammenwirken, Rücksichtnahme, Geselligkeit) lernen.

Auf dem Schießstand ist letztlich kein Geld zu viel ausgegeben. Es dauert seine Zeit, bis der Flintenanschlag sitzt und die notwendigen Bewegungsabläufe stimmen. Auch ein guter Büchsenschütze ist noch nie vom Himmel gefallen.

Manchmal kostet es viel Zeit und Durchhaltevermögen. Dabei sind verständnisvolle Partner und Partnerinnen ohne Zweifel eine große Hilfe. Auch Misserfolge sind nicht immer zu vermeiden. Mitunter ist ein zweiter Anlauf erforderlich. Aber es lohnt sich!

Richard Lauenstein, Lehrte-Immensen
(Der Burgdorfer Jäger, 2003)


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