Gut acht Monate, nachdem sich Ausbildende und Lehrgangsteilnehmerinnen und -teilnehmer das erste Mal zusammengesetzt haben, ist es geschafft, haben die meisten ihre Jägerprüfung erfolgreich hinter sich gebracht. Auf dieses Ergebnis eigener Anstrengungen können sie mit Recht stolz sein – und dies um so mehr, je länger sie schon nicht mehr mit organisiertem, lehrgangsförmigem Lernen zu tun hatten. Die Jägerprüfung ist weder im Vorbeigehn zu schaffen, noch ihr Nichtbestehen mal so eben wegzustecken.
Unterm Strich, wichtig ist zu allererst, dass die Prüfung bestanden wurde. Wenn mit herausragenden Einzel- oder Gesamtleistungen, um so besser. Die Bedeutung der Zensuren sollte weder über noch unterschätzt werden. Sie sind Momentaufnahmen und geben Hinweise; die Frage, ob jemand ein respektabler Jäger wird, können Zensuren allgemein und auch die Stellen hinterm Komma nicht beantworten. In meiner nord-westdeutschen Heimat habe ich dazu von Jägern den Kommentar gehört: „De Hasen und Fasanen, de du schüsst, is dat likefäl, ob du de Prüfung mit twee-Komma-null oder dree-Komma-seven makt hest. Hauptsake, du weest, worup dat bi de Jacht ankummt.” Da ist was dran.
Im Lehrgang wurden Grundkenntnisse und Grundfertigkeiten vermittelt und erworben, die für die ersten Schritte zu einer selbstständigen Jagdpraxis heute allgemein als notwendig erachtet werden. Das Lernen hört natürlich ein ganzes Jägerleben lang nicht auf. Waren im Jungjägerkurs praktische Situationen und Arrangements vor allem Hilfsmittel des Lernens, so ist das Lernen künftig Bestandteil und Hilfsmittel der Praxis. Zu einem brauchbaren Jäger wird man vor allem durch jagdliches Handeln, über das auch immer wieder nachgedacht und sich mit anderen ausgetauscht wird.
Niemand sollte Angst haben Fragen zu stellen. Schwach ist nicht, wer Schwächen zugibt, sondern eher, wer eine vermeintliche Allwissenheit demonstrativ vor sich herträgt. Jeder ist gut beraten von den Erfahrungen anderer zu profitieren, nicht aber sich davon einschüchtern zu lassen. Erfahrungen sind grundlegend und wichtig, ersetzen aber niemals das eigene Nachdenken. Überlegungen, Gedanken ohne Erfahrung sind leer, Erfahrungen ohne gedankliche Verarbeitung im Rahmen des heute Möglichen häufig zu kurzgreifend.
Unnachgiebigkeit ist vor allem angesagt im Umgang mit den Sicherheitsregeln. Es wird sich für alle Beteiligten auszahlen.
Es ist leider landes- und bundesweiter Trend, dass insgesamt weniger die Jägerprüfung ablegen als in früheren Jahren. Waren es Mitte der neunziger Jahre in Niedersachsen jährlich noch rund 2.000 Kandidatinnen und Kandidaten, die einen Vorbereitungskurs erfolgreich abschlossen, sind es heute nur rund 1.200. Das Gros der Jägerinnen und Jäger ist zwischen 51 und 70 Jahre alt; selbst die über 70 Jahre Alten sind stärker vertreten als die 16- bis 30-Jährigen. Dass die Vorbereitungskurse der Jägerschaften heute weniger Zustrom erfahren als früher hat sicher mehrere Gründe, u. a. eine deutlich veränderte Wahrnehmung und Behandlung des Themas Jagd in größeren Teilen der Bevölkerung und der Medien. Auch die, von mehr Ungleichheit geprägte allgemeine Einkommensentwicklung und unsichere persönliche Perspektiven in diesen ökonomisch krisenhaften Zeiten, sind der Jagd sicher nicht förderlich. Wer es sich andererseits leisten kann, für den sind aus Zeitgründen wohl auch die sehr viel teureren VierWochen-Komplett-Angebote des Ausbildungsmarktes interessant und attraktiv.
Den zu beklagenden Trend stoppen oder wenden, erreichen wir Jägerinnen und Jäger weder durch Laufenlassen noch durch Moralpredigten. Unsere stärksten Argumente sind vor allem beharrliche Arbeit, die Überzeugung durch die Tat, ihre professionelle Darstellung in der Öffentlichkeit, selbstbewusstes, kompetentes und kommunikatives Auftreten, das gute Gespräch mit Interessierten. Jagd ist und bleibt aus verschiedenen Gründen weiterhin unverzichtbar und sinnvoll. Dass etwas Sinnvolles auch Freude bereiten darf, sollte keineswegs verschwiegen werden. Die Absolventinnen und Absolventen der Jägerprüfung sind gefordert künftig mitzuhelfen die Zwecke der Jägerschaft zu erreichen und rüberzubringen – ohne Besserwisserei, hart in der Sache und freundlich im Ton.
Manche haben bereits jagdlichen Anschluss, andere noch nicht. Eines ist sicher: Vom Himmel fallen Regen, Schnee und Hagel, aber keine Jagdgelegenheiten. Wer jagen will, muss sich bemühen, muss sich umhören, umschauen und auf andere (Hegeringleitungen, Revierinhaber) zugehen, etwas investieren, nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Engagement. Mitunter wird hier und dort mangelnder Einsatz von Jungjägern beklagt, wenn es um die Übernahme von Aufgaben und Lasten geht. Manchmal sind damit gar nicht die Jägerinnen und Jäger gemeint, die nach ihrer Prüfung noch nicht Jahresjagdscheine für drei vollständige Jagdjahre gehabt haben, sondern die Lehrgangsteilnehmerinnen und -teilnehmer. Für diese ist es wichtig, dass sie Möglichkeiten zum Mitmachen und Mitanpacken, zu praktischer Erfahrung bekommen. Sie haben sich aber vor allem um das eigene Lernen zu kümmern.
Jungjägerinnen und -jägern wird nichts geschenkt; sie müssen sich schon engagieren. Verständige Revier- inhaber werden sich ihnen aber nicht verschließen. Wenn diese eine Integration ermöglichen, werden sie sich über mangelnde Mithilfe der ernsthaft Interessierten nicht zu beklagen haben.
Richard Lauenstein, Lehrte-Immensen (Der Burgdorfer Jäger 2006)
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