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Vorbereitung auf die Jägerprüfung

In der Jungjäger- und Jungjägerinnenausbildung sollen und müssen Grundkenntnisse und Grundfertigkeiten angeeignet, gefestigt und die Orientierungen entwickelt werden, die für die ersten Schritte zu einer eigenständigen Jagdpraxis heute erforderlich sind. Zugleich können hilfreiche Techniken für das notwendige Weiterlernen er- worben werden, das ein ganzes Jägerleben nicht aufhören wird.

Die Jägerprüfung ist nicht einfach. Das soll sie angesichts der Berechtigungen, die sie ermöglicht, auch gar nicht sein. Bei ernsthafter, kontinuierlicher und systematischer Anstrengung ist sie aber zu schaffen – von jüngeren wie von älteren jagdlich Interessierten.

Dazu einige Tipps:
Unser Lernen ist eine innere, psychische Tätigkeit, die mit unserer äußeren praktischen Tätigkeit eng verbunden ist. Sie dient dem Aufbau und der Festigung, der Erweiterung und Ausdifferenzierung von Gedächtnisstrukturen, die das reale Handeln orientieren und regulieren. Das Lernen ist Voraussetzung, Bestandteil und Ergebnis des auf Weltaneignung und Realitätskontrolle gerichteten Handelns. Es ist ein aktives, persönlich bedeutsames und hochgradig methodenabhängiges Verhalten. Erwachsenenbildner bringen dies zum Ausdruck, wenn sie sagen: Nicht der lernt am meisten, der einem Referat zuhört, sondern der, der es selbst erarbeitet und hält. Oder: Wirklich begriffen hat jemand etwas erst dann, wenn er, bzw. sie, es anderen auch erklären kann.

Immer wieder hat sich bestätigt: Was man hört, behält man zu 20 Prozent, was man sieht und liest zu 30 Prozent. Was man sich interessiert in tätiger Weise aneignet, bleibt zu 80 Prozent präsent.

In den Jungjägerkursen dominieren traditionell der Ausbilder(innen)vortrag, das Unterrichtsgespräch nach dem Frage-Antwort-Prinzip und die praktische Demonstration, das Vormachen und Nachmachen lassen. Diese Methoden haben ihre Berechtigung und sind zum Teil schon aus zeitpraktischen Gründen unverzichtbar. Gleichwohl müssen Eigenbeiträge und -leistungen der Lernenden und themenzentrierte, vor- und nachbereitete Diskussionen einen möglichst großen Stellenwert einnehmen. Vor allem in der eigenen Lernarbeit der Kursteilnehmer und -teilnehmerinnen muss der Aktivitätsforderung umfassend Rechnung getragen werden.

Texte: nicht einfach überlesen oder überfliegen. Am meisten bleibt hängen, wenn sie exzerpiert, also die wesentlichen Informationen und Aussagen in Kurzfassung aufgeschrieben werden. Hilfreich ist auch, sie für sich selbst in halblauter Sprache wiederzugeben. Bloß gedanklich, in innerer Sprache fordert zu wenig; zu laut lenkt ab. Ebenso wie andere Studien und praktische Übungen, kann und sollte die Textarbeit auch in kleinen Lerngruppen (zwei bis vier Personen) durchgeführt werden. Abwechselnd arbeitet jeder kurze Referate aus und trägt sie den anderen vor. Im gemeinsamen Gespräch ist durch Fragen und Antworten, Korrekturen und Ergänzungen eine Präzisierung, Vertiefung und Festigung des Stoffs leichter zu erreichen als in Einzelarbeit.

Wer dieses unbedingt will, sollte neben dem offiziellen Lehrwerk höchstens ein weiteres benutzen; empfehlenswert sind ein Buch mit Fragen, dazugehörigen Antworten und beispielhaftem Bildmaterial zu den Prüfungsthemen, verschiedene Bestimmungsbücher (Flora, Fauna, Tierspuren, etc.) und die regelmäßige Lektüre einer Jagdzeitung. Manchmal ist es sinnvoll themenorientiert einzelne Exemplare anderer Jagdzeitungen zu erwerben. In den meisten finden sich Prüfungsfragen. Vorsicht vor zu viel multiple choice! Ankreuzen fördert die Lernleistung weniger als selbst formulierte Antworten; daher erst für sich formulieren und dann schauen, was passt. Wenn regelmäßig fünfundachtzig Prozent und mehr richtig beantwortet werden, ist dies ein gutes Zeichen.

Vorträge: nicht bloß hinhören, sondern aktiv zuhören durch eigenes Vor- und Nacharbeiten. Wenn mit Vorkenntnissen, Merkpunkten und Fragen, also interessiert zugehört wird, bleibt mehr haften.

Anschauungsmaterial, praktische Studien: CDs, DVDs, Videos, Tonbänder gibt es inzwischen zu allen interessierenden Bereichen und Einzelfragen. Insbesondere in den dritten Fernsehprogrammen werden häufig lehrreiche Kurzfilme gezeigt. Mitunter ist die Beschäftigung mit einer modellhaften Abbildung der Realität oder ihrer beispielhaften Darstellung besser als gar kein audiovisueller und zugreifender Kontakt mit den inte- ressierenden Objekten, mitunter ist sie auch lernökonomischer, weil weniger Einzelheiten ablenken. Für aktives Sehen gilt dabei prinzipiell das Gleiche wie für aktives Lesen und Zuhören.

Beim Besuch von Ausstellungen (geführten und ungeführten) sollten ebenso Bestimmungsbücher dabei sein wie bei Gängen und praktischen Erkundungen in Feld und Wald. Ein Tipp: Fotografische Notizen anfertigen und zu Hause zuordnen.

Gelegenheiten als Treiber bei Jagden mitzugehen, erlegtes Wild zu versorgen und andere jagdpraktische Erfahrungen zu sammeln sollten unbedingt genutzt werden. Durch die Teilnahme am Jagdbetrieb lässt sich eine Menge über die Objekte der Jagd, über Jagdabläufe und nicht zuletzt die sozialen Dimensionen des Jagdgeschehens (z. B. verbindliche Absprachen, arbeitsteiliges Zusammenwirken, Rücksichtnahme, Geselligkeit) lernen.

Auf dem Schießstand ist letztlich kein Geld zu viel ausgegeben. Es dauert seine Zeit, bis der Flintenanschlag sitzt und die notwendigen Bewegungsabläufe stimmen. Auch ein guter Büchsenschütze ist noch nie vom Himmel gefallen.

Manchmal kostet es viel Zeit und Durchhaltevermögen. Dabei sind ver- ständnisvolle Partner und Partnerinnen ohne Zweifel eine große Hilfe. Auch Misserfolge sind nicht immer zu vermeiden, mitunter sind neue Anläufe erforderlich. Aber es lohnt sich!

Richard Lauenstein, Lehrte-Immensen
(Der Burgdorfer Jäger 2007)


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